Ratgeber · Stand: September 2026

FDM, SLA oder SLS: welches 3D-Druck-Verfahren wofür?

Kurzantwort: FDM schmilzt Kunststoffdraht und ist das günstigste Verfahren für robuste Prototypen und Vorrichtungen. SLA härtet flüssiges Harz mit Licht und liefert die feinsten Details und glattesten Oberflächen. SLS versintert Kunststoffpulver mit einem Laser, braucht keine Stützstrukturen und eignet sich für belastbare Funktionsteile und Kleinserien. In der Praxis entscheidet nicht das „beste“ Verfahren, sondern die Anforderung des Bauteils.

Inhalt

  1. Worin unterscheiden sich FDM, SLA und SLS grundsätzlich?
  2. Wie schneiden die drei Verfahren im direkten Vergleich ab?
  3. Wofür nimmt man FDM?
  4. Wofür nimmt man SLA?
  5. Wofür nimmt man SLS?
  6. Wie entscheide ich, welches Verfahren zu meinem Bauteil passt?
  7. Warum sollte ich alle drei Verfahren lernen?
  8. Häufige Fragen
  9. Fazit

Worin unterscheiden sich FDM, SLA und SLS grundsätzlich?

Alle drei Verfahren bauen ein Teil Schicht für Schicht aus einer 3D-Datei auf. Der Unterschied liegt im Ausgangsmaterial und in der Art, wie eine Schicht fest wird. Daraus folgt alles Weitere: Oberfläche, Festigkeit, Nacharbeit und Kosten.

  • FDM (Fused Deposition Modeling, auch FFF): Ein Kunststoffdraht, das Filament, wird in einer beheizten Düse aufgeschmolzen und als Strang abgelegt. Schicht auf Schicht, von unten nach oben.
  • SLA (Stereolithografie): Flüssiges Kunstharz wird in einer Wanne gezielt mit UV-Licht belichtet und härtet dort aus. Klassische SLA-Geräte nutzen einen Laser. Viele Desktop-Geräte, auch unsere Phrozen-Drucker, belichten jede Schicht auf einmal durch ein LCD-Display. Fachlich heißt das MSLA, im Alltag sagt fast jeder „SLA“ oder „Harzdruck“.
  • SLS (Selektives Lasersintern): Eine dünne Schicht Kunststoffpulver wird aufgetragen, ein Laser versintert die Stellen, die zum Bauteil gehören. Dann folgt die nächste Pulverschicht. Das lose Pulver rundherum bleibt liegen und stützt das Teil.

Die Schichthöhen liegen je nach Verfahren und Einstellung etwa zwischen 0,05 und 0,3 Millimetern. Diese Spanne nennt auch der Ratgeber Wie funktioniert ein 3D-Drucker? unserer Fertigung. Harzdrucker arbeiten am unteren Ende dieser Spanne, FDM-Drucker meist in der Mitte und darüber.

Wie schneiden die drei Verfahren im direkten Vergleich ab?

Kein Verfahren gewinnt in allen Zeilen. FDM gewinnt bei Kosten und Einfachheit, SLA bei Detail und Oberfläche, SLS bei Gestaltungsfreiheit und Funktionsteilen.

KriteriumFDMSLASLS
AusgangsmaterialKunststoffdraht (Filament)flüssiges Kunstharz (Resin)Kunststoffpulver
So wird die Schicht festaufschmelzen und ablegenmit UV-Licht aushärtenmit Laser versintern
Typische WerkstoffePLA, PETG, ABS, PA (Nylon), faserverstärkte VariantenStandard-, zähe, flexible und gießbare Harzevor allem PA12, dazu flexible Pulver (TPE/TPU)
OberflächeSchichten sichtbarglatt, sehr feine Detailsgleichmäßig, leicht körnig und matt
Stützstrukturenbei Überhängen nötigfast immer nötignicht nötig, das Pulver stützt
Festigkeitgut, aber richtungsabhängig: zwischen den Schichten schwächerje nach Harz, Standardharze eher sprödegleichmäßiger in alle Richtungen, belastbar
NacharbeitStützen entfernen, bei Bedarf schleifenwaschen, nachhärten, Stützen entfernenentpulvern, strahlen, bei Bedarf färben
Arbeitsschutzgering, bei manchen Materialien lüftenHandschuhe und Schutzbrille, Harz nicht auf die HautStaub vermeiden, Pulverhandling mit Absaugung oder Maske
Einstiegskosten Gerätniedrigniedrig bis mittelhoch
Maschinen in der AkademieQidi, Bambu Lab, ModixPhrozenSintratec

Zur Maßhaltigkeit nennen wir bewusst nur eine Zahl, die wir belegen können: Für FDM gibt unsere Fertigung Toleranzen von ±0,2 bis ±0,5 Millimetern an. Für SLA und SLS hängt der Wert stark von Gerät, Material und Bauteilgröße ab .

Großformat-FDM-3D-Drucker druckt ein hohes weißes Bauteil
FDM: Großformatdrucker beim Aufbau eines hohen Bauteils.

Wofür nimmt man FDM?

FDM nimmst du, wenn ein Teil schnell, günstig und robust sein soll und die Oberfläche zweitrangig ist. Es ist das Verfahren mit dem niedrigsten Einstieg und der größten Materialauswahl. Eine Düse arbeitet bei Standardmaterial wie PLA mit rund 200 °C. Technische Kunststoffe brauchen deutlich mehr und oft einen beheizten Bauraum.

Typische Bauteile aus unserer Werkstatt-Praxis:

  • Prototypen, an denen Form und Einbausituation geprüft werden
  • Vorrichtungen, Halterungen und Montagehilfen für die Fertigung
  • Gehäuse und Abdeckungen
  • große Teile, denn FDM skaliert am besten in den Bauraum. Deshalb steht bei uns ein Großformatdrucker von Modix.

Die wichtigste Schwäche musst du kennen, bevor du konstruierst: FDM-Teile sind zwischen den Schichten schwächer als innerhalb einer Schicht. Ein Haken, der stehend gedruckt wird, bricht an der Schichtgrenze. Liegend gedruckt hält derselbe Haken ein Vielfaches. Die Ausrichtung im Bauraum ist bei FDM deshalb eine Konstruktionsentscheidung und keine Slicer-Einstellung. Das ist einer der Punkte, die wir im FDM-Modul am längsten üben.

Zweite Schwäche: Überhänge brauchen Stützstrukturen, und wo Stützen saßen, leidet die Oberfläche. Gute Konstrukteure vermeiden Stützen durch Fasen, geteilte Bauteile oder eine andere Ausrichtung.

SLA-Druck mit feinen Stützstrukturen auf der Bauplattform
SLA: feine Stützstrukturen tragen das Bauteil während des Drucks.

Wofür nimmt man SLA?

SLA nimmst du, wenn Details und Oberfläche zählen. Harzdrucke zeigen feine Schriften, scharfe Kanten und glatte Flächen, die mit FDM nicht erreichbar sind. Schichtlinien sind mit bloßem Auge oft kaum zu sehen.

Typische Anwendungen:

  • Design- und Anschauungsmodelle, Figuren, Miniaturen
  • Urmodelle für Abformung und Guss, zum Beispiel im Schmuckbereich
  • kleine, detailreiche Teile mit feinen Strukturen
  • Dentalmodelle mit dafür vorgesehenen Harzen

Der Preis dafür ist der Prozess nach dem Druck. Ein Harzteil kommt klebrig aus dem Drucker. Es wird gewaschen, üblicherweise in Isopropanol oder einem vom Hersteller vorgesehenen Reiniger, und danach unter UV-Licht nachgehärtet. Erst dann hat es seine endgültigen Eigenschaften. Flüssiges Harz ist ein Gefahrstoff: Es gehört nicht auf die Haut und nicht in den Ausguss. Handschuhe, Schutzbrille und Lüftung sind Pflicht.

Standardharze sind eher spröde. Für Schnapphaken oder schlagbelastete Teile sind sie die falsche Wahl. Es gibt zähe und flexible Harze, aber sie kosten mehr und brauchen angepasste Einstellungen. Außerdem können manche Harze unter Sonnenlicht nachaltern. Für Funktionsteile im Außeneinsatz greifen wir zu FDM oder SLS.

Im SLA-Modul arbeitest du an den Phrozen-Druckern und lernst vor allem zwei Dinge: Teile so auszurichten und zu stützen, dass der Druck nicht abreißt, und den Waschen-Härten-Prozess sauber und sicher zu fahren.

Seriengefertigte SLS-Bauteile lagern sortiert im Regal
SLS: Serienteile ohne Stützstrukturen, direkt aus dem Pulverbett.

Wofür nimmt man SLS?

SLS nimmst du für belastbare Funktionsteile, komplexe Geometrien und kleine Serien. Der entscheidende Vorteil: Es gibt keine Stützstrukturen. Das lose Pulver trägt das Teil während des Drucks. Dadurch sind Formen möglich, die bei FDM und SLA kaum sauber gelingen: innen liegende Kanäle, ineinandergreifende bewegliche Teile, Gitterstrukturen.

Der zweite Vorteil ist die Auslastung. Weil nichts gestützt werden muss, lassen sich viele Teile im Bauraum übereinander und ineinander verschachteln. Ein Baujob liefert dann Dutzende Teile auf einmal. Das macht SLS für Kleinserien interessant.

Das Standardmaterial ist PA12, ein Polyamid. Die Teile sind zäh, belastbar und in ihren Eigenschaften gleichmäßiger über alle Richtungen als FDM-Teile. Die Oberfläche ist matt und leicht körnig. Wer es glatter braucht, strahlt oder gleitschleift nach.

Die Nachteile: Die Anlage ist teuer, der Prozess braucht Aufheiz- und Abkühlzeit, und der Umgang mit feinem Pulver verlangt Sorgfalt. Nach dem Druck wird der Pulverkuchen ausgepackt, die Teile werden entpulvert und gestrahlt. Unversintertes Pulver wird gesiebt und zu einem Teil mit Frischpulver gemischt wiederverwendet.

Eine SLS-Anlage steht in kaum einer Hobbywerkstatt. Dass du in der Akademie an einer Sintratec selbst einen Baujob vorbereitest, auspackst und nachbearbeitest, ist deshalb der Teil der Ausbildung, den du dir am wenigsten selbst beibringen kannst.

Wie entscheide ich, welches Verfahren zu meinem Bauteil passt?

Stell vier Fragen in dieser Reihenfolge. Meist ist nach der zweiten Frage klar, wohin es geht.

  1. Muss das Teil mechanisch etwas aushalten? Wenn ja: FDM mit technischem Material oder SLS. Standard-Harz scheidet aus.
  2. Wie wichtig sind Oberfläche und feine Details? Sehr wichtig und das Teil ist klein: SLA. Unwichtig: FDM.
  3. Wie komplex ist die Geometrie? Hinterschnitte, Kanäle, bewegliche Baugruppen in einem Stück: SLS.
  4. Wie viele Teile und wie groß? Ein großes Einzelteil: FDM. Viele kleine Funktionsteile: SLS. Viele kleine Detailteile: SLA.

Ein Beispiel: Eine Halterung für einen Sensor an einer Maschine. Sie muss halten, niemand schaut sie an, es wird ein Stück gebraucht. Das ist FDM in PETG oder einem zäheren Material. Dieselbe Halterung in 200 Stück mit integriertem Schnapphaken ist ein SLS-Fall. Das Präsentationsmodell desselben Sensors für die Messe ist SLA.

Warum sollte ich alle drei Verfahren lernen?

Weil die Verfahrenswahl die erste fachliche Entscheidung in jedem Projekt ist. Wer nur FDM kennt, löst jedes Problem mit FDM, auch wenn es das falsche Werkzeug ist. Betriebe suchen Leute, die eine Anfrage lesen und sagen können: Das drucken wir so, aus diesem Material, in dieser Ausrichtung, und so viel Nacharbeit kommt dazu.

Deshalb sind unsere drei Weiterbildungen nach den Verfahren gegliedert. Jede hat 600 Unterrichtseinheiten an 60 Tagen, aufgeteilt in ein FDM-, ein SLA- und ein SLS-Modul mit je 200 Unterrichtseinheiten an 20 Tagen. In jedem Modul bist du eine Woche in der Werkstatt in Altenholz bei Kiel. Der Schwerpunkt unterscheidet sich je nach Richtung: Fertigungsmanager, Product Designer oder Konstrukteur. Wer nur einen kompakten Überblick mit Praxis sucht, ist im zweiwöchigen IHK-Zertifikatskurs richtig.

Häufige Fragen zu FDM, SLA und SLS

Welches Verfahren ist für Einsteiger am besten?

FDM. Geräte und Material sind günstig, der Arbeitsschutz ist einfach, und du lernst die Grundlagen von Slicing und Ausrichtung, die du für die anderen Verfahren ebenfalls brauchst.

Ist SLA genauer als FDM?

Bei feinen Details und Oberflächen ja. Bei der Maßhaltigkeit großer Teile nicht automatisch, weil Harze beim Aushärten schrumpfen und sich dünne Wände verziehen können. Genauigkeit hängt bei allen Verfahren stark von Ausrichtung und Prozess ab.

Warum braucht SLS keine Stützstrukturen?

Das nicht versinterte Pulver bleibt im Bauraum liegen und trägt das Bauteil. Überhänge und Hohlräume liegen dadurch immer auf Pulver auf.

Kann man mit allen drei Verfahren Metall drucken?

Nein. FDM, SLA und SLS in der hier beschriebenen Form sind Kunststoffverfahren. Metall wird mit anderen Verfahren gedruckt, zum Beispiel durch Laserschmelzen von Metallpulver. Das ist nicht Teil unserer Weiterbildungen.

Fazit: Das Bauteil entscheidet, nicht die Maschine

FDM ist das günstige Arbeitstier für robuste Prototypen, Vorrichtungen und große Teile. SLA liefert feinste Details und glatte Oberflächen, verlangt aber sauberes Arbeiten mit Harz. SLS kommt ohne Stützen aus und ist erste Wahl für belastbare Funktionsteile und Kleinserien. Wer alle drei Verfahren aus eigener Hand kennt, trifft die richtige Wahl in Minuten. Genau das üben wir in je einem Modul mit 200 Unterrichtseinheiten.

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Autor: Redaktion der Mach-3D Akademie · Zuletzt aktualisiert: September 2026

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